Zum Inhalt
SushiMushi

Kolumbien ·

Auf der Suche nach der verlorenen Stadt

Von · 5 Min. Lesezeit

Nach einigen heissen Tagen in Taganga, schönen Tauchgängen und leckerem Essen buchten wir spontan am Sonntagnachmittag eine fünftägige Wanderung zur Ciudad Perdida, der verlorenen Stadt. Am Montagmorgen ging es los. Wir wurden in unserem Hostel in Taganga abgeholt, von dort aus ging es zum Büro unserer Expedition. Dort trafen wir auch die restlichen Mitglieder unserer Gruppe.

Es gibt vier Agenturen, welche dieses Abenteuer anbieten. Die Preise sind bei allen gleich und staatlich reguliert. Dies sichert die korrekte Bezahlung der Guides, Versicherungen usw. Nachdem alle bezahlt hatten, gings los. Mit mehreren Geländewagen fuhren wir in den Tayrona-Nationalpark. Nach knapp 2.5 Stunden Fahrt auf teils holprigen Strassen erreichten wir schon relativ tief im Urwald das Dorf «Machete Pelao». Dort gabs zuerst mal einen leckeren Lunch.

Grün bewachsene Berghänge mit Wald und gelichteten Flächen unter hellem Himmel

Nach einigen Informationen über die bevorstehenden Tage gings auf in Richtung Camp Eins. Die Gesamtstrecke beträgt 24 Kilometer hin zur verlorenen Stadt und den gleichen Weg zurück. Der Weg wird in mehrere Etappen aufgeteilt. Die knapp fünfzig Kilometer durch den Dschungel läuft man in insgesamt fünf Tagen. Die erste Etappe war knapp acht Kilometer lang und dauerte etwa drei bis vier Stunden. Der Weg führte tief in den Dschungel bergauf und bergab. Die Temperatur liegt bei etwa 30 °C, dazu kommen tüppige 80 % Luftfeuchtigkeit.

«Der Weg ist das Ziel» ist das Motto dieser Wanderung. Trotz der strapazenreichen Wanderung wird man belohnt mit wunderschönen Landschaften und schönen Wegen.

Üppig grüne Hügel und Berge hinter hohem Gras und einem Baum mit weissen Ästen
Schmaler Dschungelpfad zwischen Bananenpflanzen und dichtem Grün, daneben ein Holzzaun

Vor unserer Gruppe liefen die Maultiere mit unserem Proviant für die nächsten Tage, geführt von Einheimischen, welche die Strecke schon gewohnt sind, kaum schwitzen und teilweise mit Flipflops oder Gummistiefeln laufen. Wir waren froh, hatten wir unsere Wanderschuhe dabei. Immer wieder gab es kleine Pausen mit frischen Früchten wie Ananas oder Orangen zur Verpflegung.

Nach knapp 3.5 Stunden erreichten wir das erste Camp, welches überraschenderweise grösser als erwartet war. Es bot Platz für gut fünfzig Leute, hatte einfache Betten mit Matratzen, abgedeckt jeweils durch ein Moskitonetz, einfache sanitäre Anlagen und mehrere Küchen mit offenem Feuer. Sehr einfach und gemütlich, so wie man sich ein typisches Dschungelcamp vorstellt. Nach einer erfrischenden Dusche gabs dann auch schon leckeres Abendessen. Der einzige Luxus, den man sich leisten konnte, war ein leckeres eiskaltes Bier oder ein Cola, welches man sich auch verdient hatte. Da alles mit Maultieren in die jeweiligen Camps geschleppt werden musste, war dies im Vergleich zum Rest von Kolumbien relativ teuer, nämlich CHF 1.80 🙂 Um zirka halb neun gings auch schon zu Bett, denn unser nächster Tag begann um fünf Uhr morgens. Nach einem leckeren Frühstück mit Rührei und Kaffee oder heisser Schokolade gings um halb sieben los. Die längste Etappe von zirka fünfzehn Kilometern lag vor uns. Immer wieder mussten wir auf dem Weg den Fluss kreuzen. Wenn es keine Steine zum Überqueren des Flusses gab, musste man die Schuhe ausziehen und durch den knietiefen kalten Fluss waten. Auf halber Strecke kam ein weiteres Camp, in dem wir unser Mittagessen zu uns nahmen und uns im nahegelegenen Fluss abkühlten.

Mehrere Hütten mit Strohdächern stehen in einer grünen Landschaft am Hang

Nach insgesamt acht Stunden Wandern durch teilweise dichten Dschungel erreichten wir das letzte Camp vor der verlorenen Stadt. Die lange Wanderung war trotz Strapazen wunderschön. Nach einer Abkühlung im nahegelegenen Fluss gabs zuerst mal Apéro. Es gab Süssigkeiten, Popcorn und Kaffee oder Tee. Danach wieder ein leckeres Nachtessen: Fisch mit Reis, Salat und Kochbananen.

In unserer Gruppe waren wir fünfzehn Leute, alle etwa in unserem Alter. Wir hatten Glück, die Gruppe harmonisierte von Anfang an sehr gut miteinander. Auch unser Guide war super, hatte immer gute Laune und war immer zu einem Scherz aufgelegt.

Schmaler Pfad führt durch dichten, von Sonne durchfluteten Dschungel
Eine Wanderin geht auf einem Lehmweg zwischen Bananenblättern und dichter Vegetation

Nach einer kalten Nacht, diesmal in der Hängematte, gings frühmorgens nach dem Frühstück auf zur verlorenen Stadt. Nach 30 Minuten erreichten wir erneut den Fluss, welchen es wieder barfuss zu überqueren galt. Nach der Überquerung kamen wir über eine Treppe hoch zur Ciudad Perdida. 1260 kleine Treppenstufen galt es zu erklimmen. Irgendwie fühlte man sich wie in einem Indiana Jones Film. Eine lange steinerne Treppe tief im Dschungel von Kolumbien. Das Licht strahlte durch die Blätter auf die Treppenstufen, ein mystisches Bild. Nach weiteren dreissig Minuten erreichten wir die verlorene Stadt, das Zentrum des wichtigsten indigenen Volkes der Tayrona zur Zeit vor der Entdeckung Südamerikas durch die Spanier, mit kreisförmigen Terrassen auf 900 bis 1300 m ü. M. Wunderschön wie auch mystisch dieser Anblick. Unser Guide erklärte uns die Geschichte der verlorenen Stadt von der Einwanderung der Urvölker aus Asien, der Entstehung und Wichtigkeit der Stadt, die Zerstörung der Stadt durch die Spanier, Grabräuberei in der Neuzeit bis hin zur Geiselnahme von neun Touristen im Jahre 2003. Nach der kurzen Einführung in die Geschichte der Stadt führte der Hauptweg weitere Stufen hoch bis zu den Hauptterrassen. Dort hatten wir Zeit zu verweilen und die Stadt zu erkunden. Am höchsten Punkt war der Aussichtspunkt mit schöner Sicht auf die Hauptterrassen, eindrücklich und wunderschön. Die Strapazen der Wanderung hatten sich gelohnt. Nach einer Fotosession auf der Plattform entdeckten wir eine Terrasse höher bewaffnete Soldaten der kolumbianischen Armee, welche dort immer noch für Sicherheit sorgen.

Nach der Besichtigung der Stadt gings auch schon wieder zurück Richtung Camp. Dort erwartete uns auch schon das Mittagessen.

Ein Wanderer auf einem schmalen Pfad über eine grüne Wiese vor bewaldeten, nebligen Bergen

Nach einer kleinen Siesta sowie einem erfrischenden Bad im Fluss gings dann schon wieder los, zurück ins zweitletzte Camp, welches wir nach vier Stunden erreichten. Dies sollte auch unser Camp für die nächste Nacht werden.

Nach dem Frühstück ging es auch wieder früh los. Nach knapp vier Stunden erreichten wir das nächste und für uns letzte Camp in diesen fünf Tagen. Nach dem Abendessen sassen wir zusammen, spielten Karten und tauschten uns mit den Amerikanern über vulgäre und lustige Redewendungen unserer jeweiligen Landessprache aus. Da wir am nächsten Tag «nur» noch vier Stunden zu wandern hatten, gingen wir auch nicht so früh schlafen. Es war sehr lustig und amüsant, wenn die Amis versuchten, Schweizerdeutsch zu fluchen oder für uns einfache Wörter auszusprechen. Um elf Uhr gings dann ins Bett.

Zwei Wanderer stehen auf einem Waldweg vor einem mächtigen Baumstamm im Dschungel
Ein lächelnder bärtiger Mann und eine blonde Frau machen ein Selfie vor einem Holzschild im Wald

Am nächsten Morgen hatten wir das letzte Stück, welches unsere erste Etappe war, noch vor uns, drei bis vier Stunden hiess es. Trotz knapp vier Tagen Wandern in den Beinen nahmen sich die drei Jungs aus den USA vor, diese Zeit zu unterbieten. Wir schlossen uns der Gruppe an. Nach etwas weniger als 2.5 Stunden erreichten wir auch schon den Fluss kurz vor dem Dorf «Machete Pelao» in dem wir uns ein langes erfrischendes Bad gönnten. Nach weiteren zwanzig Minuten erreichten wir dann auch das Dorf, wo wir etwas erschöpft, aber glücklich unser Mittagessen zu uns nahmen und wo auch schon die nächsten Gruppen zur verlorenen Stadt starteten. Eine wunderschöne Wanderung mit vielen Eindrücken hatten wir hinter uns.

Nach der Fahrt mit dem Geländewagen erreichten wir unser Hostel in Taganga wo wir uns eine lange Dusche gönnten und später noch leckere Mojitos und etwas zu knabbern, bevor wir erschöpft ins bequeme Bett fielen.

Moosbewachsene Steinterrassen und ein Steinpfad im schattigen Dschungel
Alte, moosbedeckte Steinstufen im Dschungel, von Sonnenstrahlen beleuchtet
Eine lange Steintreppe führt zwischen hohen Bäumen und Farnen durch den Wald
Dunkle Steintreppe im Dschungel, auf der oberen Stufe sitzt ein kleiner heller Vogel oder Gegenstand
Gemauerte Steinterrasse im Wald, davor eine sonnenbeschienene Lichtung
Hohe Baumstämme und eine Palme vor einem grünen Berghang und blauem Himmel
Steinplattform im Vordergrund, dahinter Bäume und eine Terrassenmauer vor bewaldeten Bergen
Kreisförmige Steinterrassen auf einem Bergvorsprung, umgeben von Palmen und Dschungel
Moosige Steinstufen führen im sonnigen Dschungel nach oben
Blick nach oben in die dunkle Dschungelvegetation mit Licht zwischen den Blättern
Von Moos überwachsene Steintreppe im Dschungel mit Sonnenstrahl und Palmblättern
Eine Frau streckt vor einem riesigen Baumstamm im Regenwald die Arme in die Höhe
Zwei beladene Maultiere gehen auf einem schmalen Lehmpfad zwischen Bananenpflanzen
Selfie eines bärtigen Mannes auf einer Hängebrücke, hinter ihm läuft eine Frau
Einfache Kochstelle aus Backstein mit Topf in einer offenen Hütte, Rauch steigt auf
Offene Holzunterkunft mit langen Holztischen, Wäscheleine und Personen im Hintergrund
Schmale Holzbrücke zwischen aufgehängter Wäsche, dahinter grüne Hänge und Hütten

Wo wir waren

Mehr aus Kolumbien

Alle →
Florida Jens

Vom heissen Cartagena zum kalten New York

Nach einem letzten Frühstück auf der Dachterrasse unseres Hotels machten wir uns gegen Mittag auf den Weg zum Flughafen von Cartagena. Unser Flug nach Fort Lauderdale startete pünktlich, …

Kolumbien Jens

Tauchen in Taganga

Bevor wir in die Ciudad Perdida starteten verbrachten wir noch zwei Tage in Taganga. Bei unserer Ankunft im kleinen Fischerdörfchen fanden wir unter den vielen Tauchschulen eine, bei …

Kolumbien Jens

Cartagena und Taganga

Nach unserer anstrengenden Busreise und dem Stress mit dem Flugticket gönnten wir uns einen entspannten Tag in Cartagena: wir spazierten auf der alten Stadtmauer, genossen ein kühles Bierchen, …